18.06.2019

Interview „Stärkere Wahrnehmung als internationaler Distributor im Markt erzielen“

Der Hamburger Distributor Nordmann, Rassmann hat im Zuge der Neuausrichtung und einer stärkeren Internationalisierung einen neuen Markenauftritt und ist künftig als Nordmann im Markt aktiv. Geschäftsführer Dr. Gerd Bergmann erläutert die Hintergründe und spricht über die Wettbewerbssituation.

Dr. Gerd Bergmann, Managing Director at Nordmann

Welche Gründe gibt es für den neuen Markenauftritt?

Dr. Gerd Bergmann: Die neue Marke ist Teil unserer Strategie. Wir haben zunächst eine neue und geschärfte strategische Ausrichtung bestimmt und in diesem Rahmen entschieden, den Markennamen zu ändern. Unsere Strategie beinhaltet unter anderem die Attribute: Visible, International und Partnership (VIP). Die Namensänderung ist stark auf das "Visible" und "International" zurückzuführen. Als wir unsere Strategie definiert haben, gehörte die Abdeckung Europas dazu. Um das zu erreichen, haben wir seit 2013 einige Akquisitionen getätigt. Dazu zählen Italien, Frankreich, Portugal, England und Spanien. Zudem haben wir in der Türkei eine eigene Niederlassung gegründet. Wir sind damit jetzt in allen maßgeblichen Regionen in Europa präsent.

Gleichzeitig haben wir mit der Akquisition der Melrob Group Ende 2017 unsere globale Präsenz erweitert und decken nun neben Europa die USA, Japan, Singapur, Indien und Korea ab. Wir unterhalten 26 Niederlassungen in 23 Ländern. Zusammen mit diesem Prozess und den Akquisitionen wollten wir eine Modernisierung des Unternehmens und eine stärkere Wahrnehmung als internationaler Distributor im Markt erzielen. Daher haben wir uns für die einheitliche Marke Nordmann entschieden. 

Wie bewerten Sie die Wettbewerbssituation im Distributionsmarkt?

Bergmann: Der Wettbewerb nimmt stetig zu. Der Markt ist weiterhin wenig konsolidiert und sehr viele Distributionsunternehmen decken diesen gut ab. Etwa 30 bis 35 Firmen decken über 80 % des Distributionsgeschäfts in Europa ab. Davon sind fünf große Unternehmen und zirka zehn mittelgroße, zu denen wir uns auch zählen. Alle übrigen sind eher kleinere Unternehmen. Die restlichen 20 % des Marktes werden, geschätzt, von einer dreistelligen Zahl von Händlern beliefert. Aufgrund dieser Struktur denken wir, dass die Konsolidierung weitergehen wird.

Als Distributor müssen wir unsere Rolle im Markt gegenüber unseren Geschäftspartnern rechtfertigen. Wichtig ist es, stets bei Kunden präsent zu sein und mit Branchenkenntnissen einen Mehrwert für unsere Lieferanten zu schaffen. Darauf basiert auch unser neuer externer Slogan "Knowledge in action". In Westeuropa ist der Markt recht gesättigt. Selten entscheiden sich Lieferanten für eine Änderung ihrer Distributionsstrategie. Wenn es soweit ist, gilt es da zu sein.

Wie sehen Sie die voranschreitende Konsolidierung im Distributionsmarkt?

Bergmann: Wir haben viele Akquisitionen gesehen und waren ebenso an einigen beteiligt. Dieser Trend wird weiterhin bestehen bleiben. Fakt ist, dass derzeit durchaus hohe Preise gezahlt werden. Wir wägen daher im Einzelfall ganz genau ab, ob wir mitmachen oder nicht. Bei unseren Akquisitionen ist es uns wichtig, dass Kultur und Philosophie zusammenpassen. Wir werden aber an dem Konsolidierungsprozess teilhaben, denn auch wir wollen uns weiterhin in bestimmten Ländern und Segmenten verstärken.

Wie sehen Sie die Konsolidierung im Markt der Farben- und Lackhersteller?

Bergmann: Wir sehen bei Druckfarben, Pulver- und Automobillacken einen relativ konsolidierten Markt in Deutschland. Hier gibt es jeweils etwa zehn größere Hersteller. Bei den Industrielacken gibt es sehr viele mittelständische und kleine Unternehmen, der Markt ist noch nicht so stark konsolidiert und es ist mit Übernahmen zu rechnen. Wir beobachten dies natürlich genau.

Wo sehen Sie die Herausforderung und Chancen für Ihr Geschäft?

Bergmann: Wir sehen Herausforderungen vor allem in der Allokation und der Verfügbarkeit gewisser Rohstoffe und den hohen Logistikkosten. Außerdem beschäftigen uns natürlich auch Themen wie die schwieriger werdende Rekrutierung geeigneter Fachkräfte, der Brexit sowie eine Verschärfung in Gesetzgebung und Toxizitätseinstufung. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, müssen wir weiterhin nah an den Bedürfnissen unseren Kunden und Lieferanten sein, um einen Mehrwert zu schaffen und Lösungsanbieter zu sein. Auch die Digitalisierung bietet Chancen. So können Prozesse effizienter gemacht und neue Vertriebschancen genutzt werden.

Dieses Interview führte Damir Gagro

Aus der "Farbe und Lack" 06-2019